Am 26.6.2026 um 17.00 Uhr (bis ca. 18.30 Uhr) gibt es die erste öffentliche Fühung durch den Marktgarten in Hürup.
Der Marktgarten enstand auf einer etwas verwilderten Fläche von ungefähr 500 m2 seit Mai 2022 als NoDig Garten (Garten ohne Umgraben).
Auf 43 Beeten und in zwei Folientunneln wird eine Vielzahl von Gemüsen ohne Gift und ohne Kunstdünger angebaut.
Du erfährst bei der Führung einiges zu den Anbaumethoden, den benutzten Werkzeugen, den Gemüsesorten, zur Ökologie und zur Kohlenstoffbilanz des Gartens.
Da die Gruppe nicht größer als maximal 20 Teilnehmende sein sollte, melde Dich bei Interesse bitte mit einer Mail an info@feinschmeckergarten.de an.
Bitte beachte: Es gibt im Garten keine sanitären Anlagen. Der Garten ist leider für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nur sehr begrenzt zugänglich, da alle Wege mit Hackschnitzeln gemulcht sind. Der Garten liegt an der Fahrradstraße zwischen Tarup und Hürup und verfügt über nur wenige Parkplätze. Der Zugang ist von der kleinen Stichstraße zwischen der K90 und der Fahrradstraße. Wenn Du mit dem Auto kommen musst, fahre bitte über die K90 zwischen der Osttangente und Hürup und biege im Wald (von Flensburg kommend nach links ab, siehe Karte unten). Respektiere bitte die Privatshäre des benanchbarten Hauses und nutze nicht deren Hof als Zugang.
Der Beitrag über unseren Garten im Schleswig-Holstein Magazin hat wieder viel Interesse an Besichtigungen des Gartens geweckt. Deshalb bieten wir am 8.5.2026 um 17.00 Uhr wieder eine 1 1/2 bis 2stündige geführte Tour durch den Garten (Zur Heide 17, Wielenberg) an.
Neben dem großen Anteil an Nutzgarten mit Gewächshäusern und Folientunneln gibt es Sumpfbeete, Teiche, eine Wildblumenwiese, einen Beerengarten, einen Obstgarten mit Stauden und noch einiges mehr zu entdecken.
Ich erzähle auch etwas zur Bewirtschaftung des Gartens mit NoDig oder Gärtnern ohne Umgraben und über die ökologische Vielfalt, die wir in über 20 Jahren erreicht haben.
Der Garten ist leider für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nur teilweise zugänglich, da die Wege überwiegend mit Hackschnitzel gemulcht sind. Kleine Kinder brauchen wegen der Teiche und zahlreicher Giftpflanzen unbedingt Aufsicht.
Da die Gruppe nicht größer als maximal 20 Teilnehmende sein sollte, melde Dich bei Interesse bitte mit einer Mail an info@feinschmeckergarten.de an.
Im Juni wird es auch eine Führung durch den Marktgarten geben. Der Termin kommt demnächst.
Eindrücke vom Monat Mai im Garten der letzten Jahre:
Du kennst das bestimmt auch. Du bist, weil Du am Vortag noch nasse, Lehm verschmierte Feldsteine geschleppt hast, in deinen dreckisten Gartenklamotten am Sonnabendmorgen dabei Kompost zu sieben, als Deine Frau ruft: „Da ist Besuch für dich!“ Meine Frau musste rufen, denn sie stand in der Wathose bis zum Bauch im Teich und räumte den auf.
Als ich zu ihr kam, standen da ein Nachbar und drei freundliche Herren, von denen einer fragte, ob sie eine Dorfgeschichte aus unserem Garten erzählen dürften. Vorschnell sagte ich, „Ja, klar!“
Als sie dann zu den Autos mit den großen NDR-Aufklebern gingen und Kamera und Tongalgen rausholten, wurde mir klar schlagartig klar, was „mit einer Dorfgeschichte“ gemeint war. Die Rubrik im Schleswig-Holstein Magazin finde ich sehr nett, auch wenn ich das Magazin am Vorabend nur sehr selten schaue.
So schnell kommt man ins Fernsehen.
Nach kurzer Besprechung entschieden wir uns dafür, dass ich in einem der wenigen großen Flecken mit Beikräutern (Purpurrote Taubnessel) jäten und dann erklären sollte, warum wir generell wenig Probleme mit Beikräutern haben, an dieser Stelle aber schon. Im fertigen Film sieht man leider nur den Kameraschwenk über die Taubnesseln. Die Aufnahme des schönen Frühblüherbeetes fiel dagegen der Schere zum Opfer. :-/
Weiter ging es am Haus entlang nach hinten. Dabei erklärte ich, dass dieses einer der kompliziertesten Gartenteile sei, weil die Lichverhältnisse über den Tag extrem wechseln. Im Off-Ton des Beitrag wurde daraus sinngemäß, „Gärtnern ohne umgraben? Es klappt!“
Im Gewächshaus sage ich im Beitrag, „Das ist …Agapanthus“ und der Moderator antwortet mit „Wow!“ – weil er im realen Leben gerade am frischen Lorbeer gerochen hatte.
Aber es ist irgendwie schon klar. Da kommen Tonmann, Kameramann und Moderator und drehen 20-30 Minuten Material in unserem Garten. Das Material wird dann von CutterIn und RedakteurIn auf ungefähr 60 Sekunden eingedampft und mit einem neuen Off-Ton übersprochen. Ein bisschen ist das wie stille Post. 🙂
Mir hat der Dreh trotzdem Spaß gemacht und es ist erstaunlich, wie oft ich darauf angesprochen worden bin!
Der Beitrag im Schleswig-Holstein Magazin ist bis zum 23.3.2028 in der Mediathek abrufbar. Unser Garten wird ab 1:53 gezeigt.
Es geht hier um Landwirtschaft bzw. Gartenbau, aber nein, jetzt wird nicht (nur 😉 ) gejammert.
Denn obwohl das Jahr 2023 mich an meinen beiden Standorten klimatisch sehr gefordert hat, sprechen die Zahlen eine sehr positive Sprache.
Erträge
Laut Statistischem Bundesamt wurden in Deutschland im Mittel der Jahre 2015-2022 stets um 30 t/ha Gemüse erzeugt. Dies sind die Erträge aller erfassten Betriebe, ohne Berücksichtigung der Wirtschaftsweise (z.B. bio/konventionell) oder der Kultur (Kohl vs. Salat). Meine Erträge 1 lagen für die verschiedenen Flächen (in Klammern die Beetfläche) bei:
Das bedeutet, dass der Marktgarten den doppelten Flächenertrag der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland erreicht hat, obwohl ich auf den meisten Beeten nur zwei Kulturen angebaut habe. Wäre der Marktgarten nicht ein Projekt der Selbstversorgung sondern ein kommerzieller Betrieb, so hätte ich 3-5 Kulturen pro Beet und Jahr angestrebt.
Erfasst habe ich nur die Beete, die von unserer Familie genutzt werden. Die anderen Beete werden von unseren Freunden genutzt, die das Land bereit gestellt haben. Dort lagen gefühlt die Erträge sogar noch etwas höher, da die Beete über den Tagesverlauf etwas mehr Sonne abbekommen haben.
Durch das Neuanlegen der Beete im Gemüsegarten am Haus habe ich den Boden stark gestört. Wenn sich die Bodenstruktur erholt hat, erwarte ich hier auch wieder höhere Erträge. Da der Anbau von Salat allerdings überwiegend hier, dicht am Haus erfolgt, werden sie nie so hoch wie im Marktgarten sein.
Zusammen haben die beiden Gärten für unsere Familie 1110 kg 2 Obst, Gemüse und Kräuter produziert und zur Jahreswende 2023/24 essen wir immer noch eingelagerte Äpfel, Kürbisse, Zucchini (Markkürbisse), Karotten, Zwiebeln, Kohl, Rote/Gelbe Beete, Knoblauch. Frisch vom Beet kommen noch Kohlsorten, Karotten, Pastinaken, Rote Beete, Porree, Knollensellerie, Stangensellerie, Mangold, Kräuter und Salate. Eingekocht haben wir Apfelmus, verschiedene Sirupsorten, Chutneys, Bohnen, Rotkohl, Brühe, Gewürzgurken und anderes Eingelegtes. Aus der Gefrierung kommen Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren, Rhabarber, Chillies, Spinat, Mangold, Rote Beete Blätter, Mais, Bohnen, Erbsen, Zuckerschoten, Kohlrabi, Dicke Bohnen, Blumenkohl und Kräuter. Außerdem haben wir noch getrocknet Dicke Bohnen, Feuerbohnen, weiße Bohnen, Erbsen und Kräuter.
Wer unseren Einkaufswagen im Supermarkt sieht, könnte denken, dass wir fast gar kein Obst und Gemüse zu uns nehmen. 🙂
Materialeinsatz
Die gesamte Ernte wurde ohne Dünger und Pestizide allein durch Ausbringung von eigenem Kompost und kommunalem Grünkompost erwirtschaftet. Der Einsatz von Diesel beschränkte sich auf Fahrten zum Marktgarten und das Abholen von Kompost beim Kompostwerk in weniger als zwei Kilometer Entfernung. Die sonstige Bewirtschaftung erfolgte ausschließlich per Hand ohne weiteren Maschineneinsatz.
Seit der Neuanlage des Marktgartens 2022 wurden eine spezielle Kompostkarre (die teuerste Einzelanschaffung!), Schutzvliese, Insektenschutznetze, Drahtbögen, Anzuchtplatten, Vorratskisten, Bewässerungsausrüstung usw. im Wert von ca. 1400,- € beschafft. Dazu kamen für die Anlage des Marktgartens 1265,- € für Kompost und Holzhackschnitzel für Wege. Für die Ausbringung von neuem Kompost nach der ersten Saison fielen 32,- € an. Saatgut schlug mit 76,- € zu Buche.
Zeiteinsatz
Da im Gemüsegarten am Haus eine Neuanlage der meisten Beete anstand und auch das Experiment mit dem No-/Low-Budget-Minitunnel Zeit beansprucht hat, entfielen 2023 auf den Gemüsegarten am Haus 235 Stunden. 3 Der deutlich größere Marktgarten beanspruchte 218 Stunden. Mit dieser Zeit habe ich nicht nur die 797kg Gemüse für uns sondern auch mindestens ähnliche Mengen für unsere Freunde erwirtschaftet. Diese haben auch Stunden in den Garten gesteckt, die allerdings nicht erfasst wurden. Der überwiegende Teil der Stunden ist aber in den 218 enthalten.
Angebaute Sorten
2023 haben wir Obst, Gemüse und Kräuter von über 100 verschiedenen Sorten aus unserem Garten geerntet. Hybride, deren Nachkommen völlig andere Eigenschaften haben, baue ich nicht mehr an. Statt dessen versuche ich, durch eigene Saatgutgewinnung Sorten zu selektieren, die sich an die – leider immer häufiger wechselnden – Standortbedingungen gut anpassen können. Vernünftig finde ich dazu das Konzept der Landrassen nach Lofthouse. Ganz so weit bin ich aber noch nicht.
Ein kompletter Ausfall waren in 2023 die Tomaten im Freiland. Nach enormer Trockenheit im Frühjahr und Frühsommer hat es gefühlt nur noch geregnet. Das führte dazu, dass die mit grünen Tomaten voll hängenden Pflanzen komplett der Fäule zum Opfer fielen. Dabei hatte ich mit Black Plum eine Sorte ausgesucht, die in den Vorjahren sehr gut draußen klar kam.
Bei den Kartoffeln gab es mit der Sorte Muse zum Glück keine großen Ausfälle durch die Feuchtigkeit. Im Gegenteil sind die Knollen so durch das Wasser angeschwollen, dass wir überwiegend Kartoffeln in der Größe für Pommes eingelagert haben.
Lohnt sich das?
Der Betrieb des Marktgarten benötigt ca. 300 Stunden im Jahr. Damit werden mehr als 1,5 Tonnen Lebensmittel in Bio-Qualität mit minimalen Wegekosten und minimalem CO2-Einsatz produziert. Außerdem trägt die Anbaumethode zum Humusaufbau und zur CO2-Bindung im Boden bei. Zu den Anfangsinvestitionen von rund 2700,- € kommen im Jahr lediglich gute 100,- € für neuen Kompost, Hackschnitzel und Saatgut dazu. Die Investitionen für Saatgut sind rückläufig, da ich einen großen Teil selbst vermehre. Dafür werden immer wieder mal Vliese oder Netze ersetzt werden müssen.
Ungefähr 5kg Gemüse in Bioqualität ist damit der Stundenlohn, von dem noch Betriebskosten runter gehen. Wer also mehr als Mindestlohn verdient, für den lohnt sich die Angelegenheit nicht aus wirtschaftlicher Sicht. Aus wirtschaftlicher Perspektive müsste ich meine Zeit in meine Selbstständigkeit als E-Learning-Berater stecken und das Gemüse im Bio-Supermarkt kaufen. Am Ende wäre immer noch deutlich mehr Geld in der Kasse. Aber dann äßen wir Gemüse, das irgendwo auf der Welt angebaut wird, ohne nachvollziehen zu können, was an Kartoffeln aus der israelischen Wüste oder eingeflogenem Spargel aus Ägypten „bio“ sein soll.
Deshalb beantworten meine Frau und ich die Frage, ob sich das lohnt, ganz klar mit „ja“, weil das gute Gefühl sich gut und relativ umweltfreundlich zu ernähren, den wirtschaftlichen Nachteil um Längen schlägt.
Fußnoten
Aus den amtlichen Zahlen geht nicht hervor, ob und wenn mit welchen Anteilen Ackerränder oder Zuwegungen in den Zahlen enthalten sind. Für meine Erträge habe ich die reine Anbaufläche verwendet. ↩︎
Wer nachrechnet, kommt scheinbar auf noch höhere Flächenerträge. Das liegt daran, dass ich die Erträge vom z.B. Obstbäumen im Bauerngarten nicht in den Flächenerträgen erfasst habe. Diese Erträge kommen also zu den Erträgen der genannten Flächen hinzu. ↩︎
Ich erfasse die Stunden, die in den Betrieb der Gärten fließen. Bei der Erfassung der Stunden zähle ich auch die Stunden von gelegentlichen HelferInnen mit. Die Verarbeitung der Erträge z.B. als Chutneys oder Apfelmus erfasse ich nicht. ↩︎
Von meinem im Winter 2021/22 von drei aufeinander folgenden Orkanen schwer beschädigtem und deshalb in Folge abgerissenem Folientunnel hatte ich noch eine Ersatzfolie von ungefähr 15x8m übrig.
Überlegungen für einen neuen Tunnel aus Stahlrohr habe ich beim Blick auf die Kosten schnell beerdigt, aber nutzen wollte ich die vorhandene Ressource schon.
Konstruktion
Da von meinen alten Beeten noch Bögen aus Elektroinstallationsrohr (Stangenrohr) übrig waren, entstand die Idee, vier der neuen Beete mit einem 9,3m langen und 2m breiten Minifolientunnel zu überspannen, der überwiegend aus Werkstattresten bestehen sollte. Zumindest war das die idealistische Ausgangsposition…
Um die 25mm Rohre etwas zu stärken, habe ich ein Sandwich aus 25mm und 20mm starken Rohren gebaut.
Die Bögen sind 4m lang. Als Halt habe ich Rundhölzer von einem alten Kinderbett in die Erde gesteckt. Wenn man die Böden noch etwas in die Erde rein drückt, bleiben ca. 3,7m Länge nach und die Höhe der Bögen ist ungefähr 1,4m.
In den Bögen ist nicht viel Stabilität. Diese erhöht sich jedoch massiv, wenn man diagonale Stützen anbringt. Ich habe insgesamt acht Stück verbaut.
Die Verformung der Rohrenden erwies sich bei knapp über null Grad Celsius im ersten Versuch als schwierig. Das Rohr ist leicht angerissen. Deshalb habe ich bei folgenden Diagonalen die Enden mit einer Heißluftpistole erwärmt und dann mit einem Hammer platt gedrückt. Die Diagonalen habe ich nur als 25mm Rohre ohne Verstärkung durch ein 20mm Rohr ausgeführt. Das lag zum Teil daran, dass ich nicht so viel 20mm Rohr hatte und nicht endlos viel Plastik für den Tunnel nachkaufen wollte.
Die Firststange habe ich wieder als Sandwich ausgeführt. Die Übergänge zwischen den Rohren habe ich mit Kabelbindern gegen Rausrutschen gesichert und in der Firststange Bohrungen gegen Verrutschen an den Befestigungen mit den Bögen verwendet. Bei der Montage habe ich Federklemmen als Montagehilfe benutzt.
Die Folie wird von ~10cm langen, aufgeschnittenen Stücken 1″ Spiralschlauch gehalten. Dabei habe ich zunächst die Folien der Länge des Tunnels nach aufgezogen und gespannt. Zwischen den Halteklammern habe ich Abstände gelassen, um dann in diesen Abständen die Halteklammern der Giebelfolien einsetzen zu können. Auf dem dritten Bild sind die helleren Klammern der Giebelfolien zu sehen. Sie sind heller, weil der Schlauch von einem anderen Hersteller ist.
Die Windsicherung besteht aus den Pflastersteinen auf der Folie und Seilen, die ich diagonal über den Tunnel und entlang der Seiten gespannt habe. Da für die nächsten Tage stürmische Böen angekündigt sind, werde ich schon bald über die Stabilität berichten können.
Materialliste und Kosten – Lohnt sich das?
~110,- € 12x4m UV5 Gewächshausfolie
~86,- € 37x Installationsrohr 25mm
~32,- € 21xInstallationsrohr 20mm
~ 1,50 € Kabelbinder 5mm breit
~ 7,30 € 4m druckfester Spiralschlauch 1″
~8,- € ~30m x 6mm PP-Seil
~9,- € ~20x Erdnagel 30cm
~ 10,- € 16x Rundholz 30-40cm
Summe = 263,80 € – wenn alles neu gekauft wird. Ich habe gute 50,- € ausgegeben.
Lohnt sich das?
Es handelt sich bei diesem Projekt um eine arge Plastikorgie.
Billige Foliengewächshäuser mit Stahlrohren in 2m Breite und 2m Höhe (im Gegensatz zu hier 1,4m Höhe) gibt es in 3m Länge im Internet schon für unter 150,-€. Das Wären auf 9m 450- € zuzüglich der UV5 Folie, da die Billiggewächshäuser mit schlechten Folien geliefert werden. Mit zusätzlichen Bodenankern wäre man dann bei ca. 700,- € und damit bei deutlich mehr als dem Doppelten. Die 25mm Stahlrohre der Billiggewächshäuser würde ich allerdings auch nicht unseren nordischen Stürmen aussetzen wollen. Ich weiß nicht, ob sie wirklich widerstandsfähiger wären als meine Installationsrohre. Ein wirklich widerstandsfähiger Tunnel liegt preislich dann in anderen Sphären.
Da ich nur ungefähr 50,- € für das Projekt ausgegeben habe und vieles im Bestand hatte, würde ich es wahrscheinlich wieder machen. Ein schaler Geschmack bleibt bei den Plastikmengen aber zurück.
Im letzten August haben wir Urlaub in Devon, England, gemacht. Bevor wir nach Devon fuhren, trafen wir uns mit Freunden in Bath. Da Homeacres, der Garten von Charles Dowding, praktisch auf dem Weg lag, schaute ich in den Kurskalender. Just an dem Tag, als wir dort vorbeikamen, gab es einen Tageskurs.
Ich habe schon viele Stunden YouTube-Videos von Charles gesehen, diverse seiner Bücher gelesen und folge seinem Blog und Twitter-Stream. Deshalb war ich mir nicht sicher, ob die Investition von fast 200 Pfund für den Tageskurs gerechtfertigt wäre. Aber meine Frau hat mich quasi gezwungen, den Kurs zu buchen. Zum Glück habe ich so eine vernünftige Frau. 😉
Vieles von dem, was Charles erzählte, kannte ich aus Videos, Büchern und mittlerweile – nach fast 10 Jahren NoDig – aus eigener Anwendung. Was aber wirklich überwältigend war, ist die Gesundheit der Pflanzen und die Schönheit Homeacres mit eigenen Augen zu sehen. Außerdem ist Charles tatsächlich so nett und bescheiden, wie er in seinen Videos wirkt.
Neben ein paar Tipps und Tricks habe ich aber vor allem eines aus Homeacres mitgenommen: Ein erfahrener Gärtner wie Charles erwirtschaftet auf ~1.300 m2 mit einem zusätzlichen Gärtner in Vollzeit und zwei Teilzeitkräften für die Ernte einen Umsatz von 25.000 Pfund zuzüglich von Produkten für die Selbstversorgung und das Catering der Kurse (sehr lecker!). Das wichtigste Produkt sind dabei Salatmischungen. Ohne die Kurse und den Verkauf von Merchandise sowie Büchern wäre Homeacres keine profitable Unternehmung.
Modelle für Market Gardens / Marktgärten wie von Eliot Coleman, Jean-Martin Fortier oder Curtis Stone (mittlerweile als Prepper in merkwürdige Verschwörungstheorien abgeglitten) aus dem amerikanischen bzw. kanadischen Kontext auf Europa zu übertragen, ist nicht leicht.
In der Neuen Welt ist der Anteil der Lebensmittel an den Lebenshaltungskosten deutlich höher. Um in Europa (relativ gesehen) ähnlich hohe Erlöse zu erzielen, braucht es eine Umgebung mit sehr hoher Kaufkraft d.h. in der Regel ein wirtschaftlich starkes, urbanes Umfeld in der Nähe.
Bestimmte Pflanzen sind nur dann wirtschaftlich, wenn sie z.B. in Form einer SoLaWi (solidarischen Landwirtschaft) von den Mitgliedern mitgetragen werden. Charles hat dazu ein interessantes Video gemacht, in dem es u.a. um die (Un-)Wirtschaftlichkeit von Karotten im Marktgarten geht.
Kurzum: Wenn Du dich mit dem Gedanken trägst, einen Marktgarten zu betreiben und Du zufällig bei Charles Dowding in der Nähe bist, lohnt sich ein Tageskurs auf jeden Fall. Falls Du allerdings einfach umweltfreundliches Gärtnern in einer schönen Umgebung lernen willst, dann musst Du den Kurs machen. 😉
Manchmal möchte man sich um Entscheidungen herumdrücken, weil sie einfach erst einmal wehtun. So ging es mir mit der Neugestaltung der Beete in unserem Nutzgarten.
Für den Bau des neuen Tunnelgewächshauses musste ich schon ein 5 m langes und fast 1,5m breites Hochbeet abreißen, das im Weg stand. Wenn man als Gärtner NoDig – Gärtnern ohne Umgraben – betreibt, blutet einem die Seele, über Jahre gewachsene Bodenstrukturen zu zerstören.
Entsprechend habe ich gehadert, was ich mit den Beeten anfangen sollte, deren rottenden Holzeinfassungen trotz regelmäßiger Flickarbeiten nach Jahren nicht mehr zu retten waren.
Anfang Januar standen noch ein paar Wintersalate, Wurzeln (norddeutsch für Möhren), Cavolo nero und Schnittmangold auf den Beeten. Da der Kompost, den ich für die Neuanlage von NoDig-Beeten vom Kompostwerk hole, nie voll ausgereift ist, musste ich jetzt loslegen. Ansonsten hätten die Beete zu lange in die Pflanzsaison gebraucht, um den Kompost nachzureifen.
Planung
Am Bildschirm habe ich diverse Kombinationen von Beeten hin und her geschoben. Sollte ich das letzte intakte Hochbeet retten (Variante 1) oder drei 8×0,8 m Beete wie im Marktgarten anlegen (Variante 2)? Alternativ hätten auch sechs 3×0,8 m Beete und das alte Hochbeet gepasst (Variante 3).* Entschieden habe ich mich für Variante 4 mit 6 4×0,8 m großen Beete.
4 m ist genau die halbe Länge der Standardbeete des Marktgartens. Alle Zahlen zu Bedarf an Saat oder Pflanzen für bestimmte Kulturen kann ich einfach durch zwei teilen. Trotzdem habe ich noch mindestens sechs verschiedene Kulturen, statt auf drei 8 m langen Beeten anzufangen zu mischen.
Variante 1Variante 2Variante 3Variante 4
Umsetzung
Ein paar der Pflanzen sind in das Tunnelgewächshaus umgezogen, die Wurzeln und den Cavolo nero habe ich abgeerntet und den Rest bei den Hühnern und auf dem Kompost gelassen.
Nachdem der Holzschredder zwischen den Beeten in einer Bucht der Kompostecke eingelagert war, fing das Verteilen der Erde an. Durch das schiere Volumen ist das Niveau des Nutzgartens rund 10 cm hoch gekommen.
Die neuen Beete habe ich mit Holzpflöcken markiert. Dann habe ich die restliche Erde mit der Harke verteilt.
Die abgesteckten Beete haben dann ca. 10cm hoch Grünschnittkompost vom örtlichen Kompostwerk erhalten. Den Kompost gibt die Stadt kostenlos ab. Wer sich den Hänger mit einem Frontlader beladen lassen möchte, zahlt 8,- € – unabhängig von der Menge.
Hätte ich die Beete auf Rasen oder stark verunkrauteten Flächen angelegt, hätte ich Pappe unter den Kompost gelegt. Das war hier nicht nötig.
Holzschredder kann ich ebenfalls vom Kompostwerk beziehen. Dieser kostet inklusive Beladung des eigenen Hängers 17,85 €. Damit haben mich die ungefähr 1,5 m3 Schredder für den Nutzgarten ca. 6,- € gekostet.
Warum Holzhackschnitzel auf Wegen?
Der Holzschredder auf den Wegen soll nicht nur den Wuchs von Beikräutern reduzieren. Die Idee dahinter ist, dass der Holzschredder Nahrung für Pilze bildet, die mit Ihrem Myzel auch die Nutzpflanzen mit Wasser und diesen Nährstoffen versorgen können. Im Tausch erhalten die Pilze von den Pflanzen, die im Gegensatz zu den Pilzen Photosynthese betreiben können, dann Zucker.
Nachteilig am Schredder ist, das er ein Ort zur Eiablage für Nacktschnecken sein kann. Charles Dowding empfiehlt deshalb die Mulchschicht auf Wegen nicht höher als als 3-5 cm zu machen.
So sinnvoll die Holzhackschnitzel auf Wegen sind, so problematisch sind sie, wenn sie in den Boden der Beete eingearbeitet werden. Die Bodenorganismen verbrauchen für den Abbau des Holzes Stickstoff, den auch die Pflanzen als Nährstoff benötigen.
Die abgetragenen und schon stark zersetzten Holzhackschnitzel der alten Wege werde ich übrigens zu Anzuchterde verarbeiten. Die sind nämlich in Anzuchterde sehr gut als Ersatz für Torf geeignet, dessen Abbau extrem Klima schädigend ist .
Ein NoDig-Marktgarten von Null begonnen zur Selbstversorgung für zwei Familien – Diese Artikelreihe berichtet vom Vorgehen, den Methoden (z.B. NoDig), den Erfolgen und den Rückschlägen.
Erste – nennenswerte – Ernte(n)
Es sind erst gute zwei Monate vergangen, seit wir mit dem unreifen Kompost mit pH 5,0 begonnen haben, den Marktgarten zu gestalten. Dank der Anzucht auf Modulplatten haben wir – obwohl die Hasen viel weg geknabbert haben – jetzt schon unsere ersten, kleinen Ernten essen können:
Erbsen (zunächst Sprossen für Salat, dann Zuckerschoten und jetzt Markerbsen) aus einer Packung Trockenerbsen vom Supermarkt angezogen
Rote Beete Gesche
Palmkohl Nero di Toscana
Gurken Russian Pickling
Als nächstes kommen Kartoffeln, Bohnen und Kohlrabi dazu.
Hasen müssen draußen bleiben
Weil die Hasen alles wegfressen, was ihnen vor die Nase kommt und nicht mit Netz oder Vlies gesichert ist, haben wir angefangen einen 1m hohen Hasenzaun zu ziehen. Der untere Teil des Zaunes im Bild wird noch eingegraben. Bisher sind erst drei Seiten fertig, aber es sollten die Hauptrichtungen sein, aus denen die Hasen den Weg zu unserem zarten Gemüse finden. Die Kamera wird es die nächsten Tage zeigen.
Tierische Besucher der Woche
Bei den tierischen Besuchern war diese Woche tatsächlich eine Überraschung dabei. Ich wusste, dass es hier im nördlichen Schleswig-Holstein Marderhunde gibt, aber gesehen habe ich noch keinen. Wie mir ein Jäger aber bestätigte, ist auf den Bildern von zwei Nächten ein Marderhund zu sehen.
Der Hase schaut etwas versonnen durch das Vlies auf den Kohl, den er vor ein paar Wochen bis zum Strunk reduziert hatte.
Ein NoDig-Marktgarten von Null begonnen zur Selbstversorgung für zwei Familien – Diese Artikelreihe berichtet vom Vorgehen, den Methoden (z.B. NoDig), den Erfolgen und den Rückschlägen.
Tierische Besucher der Woche
Das Chilispray lässt in der Wirkung etwas nach, aber obwohl tags wie nachts zahlreiche Feldhasen im Garten sind, halten sich die Fraßschäden in sehr engen Grenzen.
Beikräuter der Woche
Wenn nach einer Woche ohne Jäten auf einer Fläche von ungefähr 500 m2 nicht mehr im Eimer ist, kann man damit gut leben, oder? 🙂
Ein NoDig-Marktgarten von Null begonnen zur Selbstversorgung für zwei Familien – Diese Artikelreihe berichtet vom Vorgehen, den Methoden (z.B. NoDig), den Erfolgen und den Rückschlägen.
Was wächst im frischen Kompost – und was nicht?
Kartoffel, Erbsen, Soja und BohnenVon links: 2 Beete Erbsen und 2 Beete Ackerbohnen jeweils am 22.6. gesät am 7.7.Zwiebeln (1. Beet) und Mais (3. Beet) in Modulplatten vorgezogen und ausgepflanzt
Ganz einfach ist es nicht zu bewerten, was gut wächst und was weniger gut, da die Hasen das Bild etwas verzerrt haben. Aber grundsätzlich wächst im Moment am Besten, was wie z.B. Kartoffeln selbst Vorräte mitbringt oder sich Stickstoff aus der Luft besorgen kann wie die Leguminosen (Erbsen, Bohnen, Soja). Auch die in Modulplatten vorgezogenen Pflanzen wachsen besser als die gleichen Pflanzen in Direktsaat.
Das Bodenleben entwickelt sich zwar, aber für Pflanzen verfügbarer Stickstoff ist rar, wovon die gelben Blätter beim Mais zeugen.
Die Beikräuter der Woche (1. und 7. Tag Woche 9)
Am siebten Tag nach dem letzten Jäten war die Ausbeute etwas größer (2. Bild). Leider sind auch ein paar Kartoffelpflanzen dabei, die Anzeichen von Krautfäule zeigten. Der Druck durch ausdauernde Beikräuter hat etwas zugenommen, aber wenn nach einer Stunde Jäten im Eimer gerade der Boden bedeckt ist, ist das für mich ok. 🙂
Die regelmäßigen BesucherInnen
Feldhasen, Katzen und Tauben sind immer auf den Bildern der Wildtierkamera. Der Graureiher kommt deutlich seltener vorbei und ich konnte bisher nicht ausmachen, was er hier findet.
Erste Ernte!
Am Ende der neunten Woche können wir ernten! An den Erbsen sind Zuckerschoten (und Sprossen für Salat), beim Cavolo nero sind erste Blätter erntereif und an den Gurken Russian Pickling sind kleine Gurken in passender Größe zum Einlegen.