Der Beitrag über unseren Garten im Schleswig-Holstein Magazin hat wieder viel Interesse an Besichtigungen des Gartens geweckt. Deshalb bieten wir am 8.5.2026 um 17.00 Uhr wieder eine 1 1/2 bis 2stündige geführte Tour durch den Garten (Zur Heide 17, Wielenberg) an.
Neben dem großen Anteil an Nutzgarten mit Gewächshäusern und Folientunneln gibt es Sumpfbeete, Teiche, eine Wildblumenwiese, einen Beerengarten, einen Obstgarten mit Stauden und noch einiges mehr zu entdecken.
Ich erzähle auch etwas zur Bewirtschaftung des Gartens mit NoDig oder Gärtnern ohne Umgraben und über die ökologische Vielfalt, die wir in über 20 Jahren erreicht haben.
Der Garten ist leider für Menschen mit eingeschränkter Mobilität nur teilweise zugänglich, da die Wege überwiegend mit Hackschnitzel gemulcht sind. Kleine Kinder brauchen wegen der Teiche und zahlreicher Giftpflanzen unbedingt Aufsicht.
Da die Gruppe nicht größer als maximal 20 Teilnehmende sein sollte, melde Dich bei Interesse bitte mit einer Mail an info@feinschmeckergarten.de an.
Im Juni wird es auch eine Führung durch den Marktgarten geben. Der Termin kommt demnächst.
Eindrücke vom Monat Mai im Garten der letzten Jahre:
Du kennst das bestimmt auch. Du bist, weil Du am Vortag noch nasse, Lehm verschmierte Feldsteine geschleppt hast, in deinen dreckisten Gartenklamotten am Sonnabendmorgen dabei Kompost zu sieben, als Deine Frau ruft: „Da ist Besuch für dich!“ Meine Frau musste rufen, denn sie stand in der Wathose bis zum Bauch im Teich und räumte den auf.
Als ich zu ihr kam, standen da ein Nachbar und drei freundliche Herren, von denen einer fragte, ob sie eine Dorfgeschichte aus unserem Garten erzählen dürften. Vorschnell sagte ich, „Ja, klar!“
Als sie dann zu den Autos mit den großen NDR-Aufklebern gingen und Kamera und Tongalgen rausholten, wurde mir klar schlagartig klar, was „mit einer Dorfgeschichte“ gemeint war. Die Rubrik im Schleswig-Holstein Magazin finde ich sehr nett, auch wenn ich das Magazin am Vorabend nur sehr selten schaue.
So schnell kommt man ins Fernsehen.
Nach kurzer Besprechung entschieden wir uns dafür, dass ich in einem der wenigen großen Flecken mit Beikräutern (Purpurrote Taubnessel) jäten und dann erklären sollte, warum wir generell wenig Probleme mit Beikräutern haben, an dieser Stelle aber schon. Im fertigen Film sieht man leider nur den Kameraschwenk über die Taubnesseln. Die Aufnahme des schönen Frühblüherbeetes fiel dagegen der Schere zum Opfer. :-/
Weiter ging es am Haus entlang nach hinten. Dabei erklärte ich, dass dieses einer der kompliziertesten Gartenteile sei, weil die Lichverhältnisse über den Tag extrem wechseln. Im Off-Ton des Beitrag wurde daraus sinngemäß, „Gärtnern ohne umgraben? Es klappt!“
Im Gewächshaus sage ich im Beitrag, „Das ist …Agapanthus“ und der Moderator antwortet mit „Wow!“ – weil er im realen Leben gerade am frischen Lorbeer gerochen hatte.
Aber es ist irgendwie schon klar. Da kommen Tonmann, Kameramann und Moderator und drehen 20-30 Minuten Material in unserem Garten. Das Material wird dann von CutterIn und RedakteurIn auf ungefähr 60 Sekunden eingedampft und mit einem neuen Off-Ton übersprochen. Ein bisschen ist das wie stille Post. 🙂
Mir hat der Dreh trotzdem Spaß gemacht und es ist erstaunlich, wie oft ich darauf angesprochen worden bin!
Der Beitrag im Schleswig-Holstein Magazin ist bis zum 23.3.2028 in der Mediathek abrufbar. Unser Garten wird ab 1:53 gezeigt.
We don’t sell produce from our garden. Nevertheless, I call it a market garden. But shouldn’t I rather call it an allotment or veg patch?
I reckon it qualifies as a market garden because I run it like a professional market garden and a lot of reading about market gardens went into the planning.
Planning and Layout
Almost all beds have exactly the same dimensions (8m x 0.8m). Fleece, insect netting and the metal arcs holding them can be used on all beds in the same way.
Because of the same dimensions, I can use one spreadsheet with figures for all kinds of crops and I don’t have to break it down to the actual area of one particular bed. The same number of beetroot can be planted on all beds and the yield should be the same, too.
Spreadsheet for planning amounts of seed and seedling.
The layout tries to optimize the ratio between paths and beds. Paths are wide enough to secure good accessibility, but they are as narrow as possible.
Beds are as wide as possible. The width was determined by the shortest member in the garden crew. She had to be able to step over a bed and work it.
The layout aims at reducing distances to work the land as far as possible.
All planing was done in scale with a 3d planning tool.
3D planning of the garden. The polytunnel does not exist – yet. 😉
Processes
Videos and books by Charles Dowding and a day course at Homeacres, books and YouTube videos by Eliot Coleman, Ben Hartman, Curtis Stone, Jean-Martin Fortier and many others are the base for the processes to run the garden. You find a list of resources below.
For example:
The choice of crops is (to some extend) made by looking at needed effort and market value (i.e. saved money) as described by most authors above. In a spreadsheet there is an index for each crop based on the calculations by e.g. Stone.
I try to optimize processes to reduce muda i.e. waste of time or resources. In other words, work I perform should add value to my products. If it is just shifting things around, it is not adding value. This kind of work should be reduced.
Device to press plugs out of module trays.Distribution of compost with a cart with the width of the beds.Modification of a wheel barrow with scraps from the workshop to spread wood chips on the narrow paths.Narrow cart made from workshop leftovers.
Since the market garden is 5.5 km away from home, I grow crops which don’t need my daily attention. The crops with high demand for TLC are grown in our garden at home.
Following Charles Dowding’s advice, many crops are sown in groups/modules of 3-6 (see above). This helps to reach the aim of high density planting described by all authors above.
As Eliot Coleman describes, I try to push the limits of what is possible in my climate – but I check that it is still economically viable.
Fleece protects tender plants.
Conclusion
What makes a market garden? To me, it is more than selling produce. It is also the idea of how to run such a place. The selling is just one tiny aspect. So that’s why I regard our garden as a market garden. The more so, as it serves two families for their daily „shopping“ of a wide variety of veg.
Editorial Note
I wrote most of the article more than a year ago. So all photos show the market at an early stage. It has matured since then, but the processes haven’t changed that much.
The market garden in August 2023
Literature and Sources
There is roughly 1 1/2 m of gardening literature in my library + lots of books on the e-book reader. Most relevant for the topic market garden would be the following books and other resources. Resources marked in bold are the ones, most relevant to me concerning the market garden.
Coleman, Eliot (2014): Handbuch Wintergärtnerei Dowding, Charles (2011): Winter Vegetables Dowding, Charles (2012): Gemüsegärtnern wie die Profis Dowding, Charles (2014): Veg Journal Dowding, Charles (2017): Gelassen Gärtnern Fortier, Jean-Martin (2017): Bio-Gemüse erfolgreich direkt vermarkten Hartman, Ben (2015): The Lean Farm Markham, Brett L. (2011): Mini-Farming Seymour, John (2010): Das neue Buch vom Leben auf dem Lande Stone, Curtis (2016): The Urban Farmer Stone actually ran his farm, that brought him Internet fame, just for a few years. Nevertheless, his business approach is interesting. I wouldn’t buy his book today though, as he drifted into Christian conspiracy theories, living off-grid and waiting for the apocalypse to come. Strawbridge, Dick&James (2011): Das große Buch der Selbstversorgung
Mit „The Lean Farm“ hat Ben Hartman eines meiner Lieblingsbücher zum Thema kleine, landwirtschaftliche Betriebe geschrieben. Deshalb habe ich mir mit großer Vorfreude sein neues Buch „The Lean Micro Farm“ gekauft.
Zum Inhalt
Während es in „The Lean Farm“ um seine Erfahrungen damit ging, die Prinzipien des Lean Management aus dem industriellen Bereich auf eine kleine Farm (1 acre = 4.000m2) zu übertragen, beschreibt Hartman im neuen Buch die Erfahrungen beim Aufbau einer neuen, noch kleineren Farm in einem städtischen Umfeld.
Die neue Farm hat lediglich 833m2 Produktionsfläche (1/3 acre). Auf dieser Fläche erwirtschaften laut Hartman in einer 35 und weniger Stundenwoche der Autor und seine Frau mit Angestellten(!) das Einkommen für die vierköpfige Familie.
Im Buch beschreibt Hartman die Prinzipien, Werkzeuge sowie die Produktions- und Vertriebsmethoden, die seine Frau und er bei Planung und täglichem Betrieb der Farm anwenden.
In einem eigenen Kapitel entwickelt er den Businessplan für einen Gemüsebaubetrieb im Nebenerwerb auf 464m2 Fläche.
Meine Bewertung
Die Verwendung von Lean im Titel ist etwas irreführend. Wo Hartman in „The Lean Farm“ auf 240 Seiten ausführlich Lean Prinzipien diskutierte, schweift er auf 442 Seiten in „The Lean Micro Farm“ doch häufig ab und berichtet mehr von den persönlichen Erfahrungen beim Aufbau der neuen Farm. Damit produziert er aus meiner Sicht auch viel Muda.
Einserseits mag es nützlich sein, für wirklich jedes Produkt Angaben zu Modell und Hersteller samt Link zu erhalten, andererseits kommt das manchmal für mich auch wie ein Vermarkten von Affiliate Links rüber. Bei dem Link zu den Gewächshäusern wird es sogar explizit erwähnt.
Hartman macht viele präzise Angaben zu Pflanzterminen. Dabei weist er nicht wirklich darauf hin, dass diese Termine vollständig von der geografischen Breite und den jeweiligen klimatischen Bedingungen des Betriebes abhängen. Insbesondere wer als Anfänger ganz genau dem Kapitel zum Aufbau einer Farm auf 464m2 (5.000 ft2) folgt, könnte böse überrascht werden.
Die Übertragbarkeit der Erkenntnisse und Prozesse ist generell ein Problem. Auf Seite 290 nennt der Autor Preise für sein Gemüse für gewerbliche Kunden und für Endkunden. Grünkohl erlöst z.B. 8$ bzw. 10$ pro Pfund (0,454 kg). Bei Spinat ist es sogar 11$ und 14$ pro Pfund (0,454 kg –> 30,84$/kg ~ 28,17€/kg). Zwei teurere Anbieter im Internet rufen heute (10.01.2024) in Deutschland weniger als 18€ für ein Kilogramm bio Babyspinat auf, ein günstigerer sogar nur 8€ – außerhalb der Saison! Bezogen auf den letzten Preis eines Hofladens in Nordrhein-Westfalen erlöst Hartman 20€ mehr pro Kilogramm. Damit ist sein Businessplan für eine nebenberufliche Landwirtschaft in Deutschland so nicht anwendbar.
Wo Hartman auch für deutsche Micro-Farmer aus meiner Erfahrung interessant ist, sind seine Aussagen zur Wirtschaftsform mit tiefem Kompostmulch (No Dig), die Prinzipen zur Reduzierung auf das Wesentliche und seine Zeitansätze, die alle gut mit meinen eigenen Erfahrungen übereinstimmen. Die Beschränkung auf ein Minimum an Handwerkzeugen kann ich auch gut nachvollziehen. Gut sind seine Tipps zum Aufbau von tiefen Kundenkontakten. Sein als Kühlung im Sommer und Anzuchtkammer im Winter/Frühjahr genutzter Kühlschrank ist eine tolle Idee, die allerdings auch schon im alten Buch enthalten ist.
Fazit
Wer „The Lean Farm“ kennt, wird interessiert lesen, wie Hartman und seine Frau das Prinzip konsequent weiter entwickelt haben. Das neue Buch bietet außerdem viele kleine Anregungen, kann aber allein – trotz des größeren Umfangs – nicht stehen. Europäische und besonders deutsche LeserInnen müssen viel eigene Transferarbeit leisten, um den Inhalt in den hiesigen Kontext zu stellen.
Ben Hartman, The Lean Micro Farm, Chelsea Green Publishing, 2023, 20,95€ (eBook, DRM)
Es geht hier um Landwirtschaft bzw. Gartenbau, aber nein, jetzt wird nicht (nur 😉 ) gejammert.
Denn obwohl das Jahr 2023 mich an meinen beiden Standorten klimatisch sehr gefordert hat, sprechen die Zahlen eine sehr positive Sprache.
Erträge
Laut Statistischem Bundesamt wurden in Deutschland im Mittel der Jahre 2015-2022 stets um 30 t/ha Gemüse erzeugt. Dies sind die Erträge aller erfassten Betriebe, ohne Berücksichtigung der Wirtschaftsweise (z.B. bio/konventionell) oder der Kultur (Kohl vs. Salat). Meine Erträge 1 lagen für die verschiedenen Flächen (in Klammern die Beetfläche) bei:
Das bedeutet, dass der Marktgarten den doppelten Flächenertrag der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland erreicht hat, obwohl ich auf den meisten Beeten nur zwei Kulturen angebaut habe. Wäre der Marktgarten nicht ein Projekt der Selbstversorgung sondern ein kommerzieller Betrieb, so hätte ich 3-5 Kulturen pro Beet und Jahr angestrebt.
Erfasst habe ich nur die Beete, die von unserer Familie genutzt werden. Die anderen Beete werden von unseren Freunden genutzt, die das Land bereit gestellt haben. Dort lagen gefühlt die Erträge sogar noch etwas höher, da die Beete über den Tagesverlauf etwas mehr Sonne abbekommen haben.
Durch das Neuanlegen der Beete im Gemüsegarten am Haus habe ich den Boden stark gestört. Wenn sich die Bodenstruktur erholt hat, erwarte ich hier auch wieder höhere Erträge. Da der Anbau von Salat allerdings überwiegend hier, dicht am Haus erfolgt, werden sie nie so hoch wie im Marktgarten sein.
Zusammen haben die beiden Gärten für unsere Familie 1110 kg 2 Obst, Gemüse und Kräuter produziert und zur Jahreswende 2023/24 essen wir immer noch eingelagerte Äpfel, Kürbisse, Zucchini (Markkürbisse), Karotten, Zwiebeln, Kohl, Rote/Gelbe Beete, Knoblauch. Frisch vom Beet kommen noch Kohlsorten, Karotten, Pastinaken, Rote Beete, Porree, Knollensellerie, Stangensellerie, Mangold, Kräuter und Salate. Eingekocht haben wir Apfelmus, verschiedene Sirupsorten, Chutneys, Bohnen, Rotkohl, Brühe, Gewürzgurken und anderes Eingelegtes. Aus der Gefrierung kommen Johannisbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren, Rhabarber, Chillies, Spinat, Mangold, Rote Beete Blätter, Mais, Bohnen, Erbsen, Zuckerschoten, Kohlrabi, Dicke Bohnen, Blumenkohl und Kräuter. Außerdem haben wir noch getrocknet Dicke Bohnen, Feuerbohnen, weiße Bohnen, Erbsen und Kräuter.
Wer unseren Einkaufswagen im Supermarkt sieht, könnte denken, dass wir fast gar kein Obst und Gemüse zu uns nehmen. 🙂
Materialeinsatz
Die gesamte Ernte wurde ohne Dünger und Pestizide allein durch Ausbringung von eigenem Kompost und kommunalem Grünkompost erwirtschaftet. Der Einsatz von Diesel beschränkte sich auf Fahrten zum Marktgarten und das Abholen von Kompost beim Kompostwerk in weniger als zwei Kilometer Entfernung. Die sonstige Bewirtschaftung erfolgte ausschließlich per Hand ohne weiteren Maschineneinsatz.
Seit der Neuanlage des Marktgartens 2022 wurden eine spezielle Kompostkarre (die teuerste Einzelanschaffung!), Schutzvliese, Insektenschutznetze, Drahtbögen, Anzuchtplatten, Vorratskisten, Bewässerungsausrüstung usw. im Wert von ca. 1400,- € beschafft. Dazu kamen für die Anlage des Marktgartens 1265,- € für Kompost und Holzhackschnitzel für Wege. Für die Ausbringung von neuem Kompost nach der ersten Saison fielen 32,- € an. Saatgut schlug mit 76,- € zu Buche.
Zeiteinsatz
Da im Gemüsegarten am Haus eine Neuanlage der meisten Beete anstand und auch das Experiment mit dem No-/Low-Budget-Minitunnel Zeit beansprucht hat, entfielen 2023 auf den Gemüsegarten am Haus 235 Stunden. 3 Der deutlich größere Marktgarten beanspruchte 218 Stunden. Mit dieser Zeit habe ich nicht nur die 797kg Gemüse für uns sondern auch mindestens ähnliche Mengen für unsere Freunde erwirtschaftet. Diese haben auch Stunden in den Garten gesteckt, die allerdings nicht erfasst wurden. Der überwiegende Teil der Stunden ist aber in den 218 enthalten.
Angebaute Sorten
2023 haben wir Obst, Gemüse und Kräuter von über 100 verschiedenen Sorten aus unserem Garten geerntet. Hybride, deren Nachkommen völlig andere Eigenschaften haben, baue ich nicht mehr an. Statt dessen versuche ich, durch eigene Saatgutgewinnung Sorten zu selektieren, die sich an die – leider immer häufiger wechselnden – Standortbedingungen gut anpassen können. Vernünftig finde ich dazu das Konzept der Landrassen nach Lofthouse. Ganz so weit bin ich aber noch nicht.
Ein kompletter Ausfall waren in 2023 die Tomaten im Freiland. Nach enormer Trockenheit im Frühjahr und Frühsommer hat es gefühlt nur noch geregnet. Das führte dazu, dass die mit grünen Tomaten voll hängenden Pflanzen komplett der Fäule zum Opfer fielen. Dabei hatte ich mit Black Plum eine Sorte ausgesucht, die in den Vorjahren sehr gut draußen klar kam.
Bei den Kartoffeln gab es mit der Sorte Muse zum Glück keine großen Ausfälle durch die Feuchtigkeit. Im Gegenteil sind die Knollen so durch das Wasser angeschwollen, dass wir überwiegend Kartoffeln in der Größe für Pommes eingelagert haben.
Lohnt sich das?
Der Betrieb des Marktgarten benötigt ca. 300 Stunden im Jahr. Damit werden mehr als 1,5 Tonnen Lebensmittel in Bio-Qualität mit minimalen Wegekosten und minimalem CO2-Einsatz produziert. Außerdem trägt die Anbaumethode zum Humusaufbau und zur CO2-Bindung im Boden bei. Zu den Anfangsinvestitionen von rund 2700,- € kommen im Jahr lediglich gute 100,- € für neuen Kompost, Hackschnitzel und Saatgut dazu. Die Investitionen für Saatgut sind rückläufig, da ich einen großen Teil selbst vermehre. Dafür werden immer wieder mal Vliese oder Netze ersetzt werden müssen.
Ungefähr 5kg Gemüse in Bioqualität ist damit der Stundenlohn, von dem noch Betriebskosten runter gehen. Wer also mehr als Mindestlohn verdient, für den lohnt sich die Angelegenheit nicht aus wirtschaftlicher Sicht. Aus wirtschaftlicher Perspektive müsste ich meine Zeit in meine Selbstständigkeit als E-Learning-Berater stecken und das Gemüse im Bio-Supermarkt kaufen. Am Ende wäre immer noch deutlich mehr Geld in der Kasse. Aber dann äßen wir Gemüse, das irgendwo auf der Welt angebaut wird, ohne nachvollziehen zu können, was an Kartoffeln aus der israelischen Wüste oder eingeflogenem Spargel aus Ägypten „bio“ sein soll.
Deshalb beantworten meine Frau und ich die Frage, ob sich das lohnt, ganz klar mit „ja“, weil das gute Gefühl sich gut und relativ umweltfreundlich zu ernähren, den wirtschaftlichen Nachteil um Längen schlägt.
Fußnoten
Aus den amtlichen Zahlen geht nicht hervor, ob und wenn mit welchen Anteilen Ackerränder oder Zuwegungen in den Zahlen enthalten sind. Für meine Erträge habe ich die reine Anbaufläche verwendet. ↩︎
Wer nachrechnet, kommt scheinbar auf noch höhere Flächenerträge. Das liegt daran, dass ich die Erträge vom z.B. Obstbäumen im Bauerngarten nicht in den Flächenerträgen erfasst habe. Diese Erträge kommen also zu den Erträgen der genannten Flächen hinzu. ↩︎
Ich erfasse die Stunden, die in den Betrieb der Gärten fließen. Bei der Erfassung der Stunden zähle ich auch die Stunden von gelegentlichen HelferInnen mit. Die Verarbeitung der Erträge z.B. als Chutneys oder Apfelmus erfasse ich nicht. ↩︎
Ende Juli wurde ich von einer Journalistin der örtlichen Zeitung im Garten zu NoDig interviewed und ein Fotograf machte Bilder von mir und dem Garten. Es war ein sehr nettes Gespräch und ich ging davon aus, dass der Artikel in der Lokalausgabe des Zeitungsverlages erscheinen würde. Um so größer war dann die Überraschung, als er landesweit in Schleswig-Holstein erschien und mich schon morgens eine Freundin aus dem Hamburger Umland kontaktierte.
Mein Garten ist für mich zwar eine sehr emotionale Angelegenheit und ein Rückzugsraum von Stress und Alltagssorgen – aber meine Herangehensweise ans Gärtnern betrachte ich eher rational . Bei allem, was ich tue, versuche ich die wissenschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen. Mit Aussagen wie „das macht man so“ kann ich nichts anfangen. Ich will wissen, warum man das so macht und ob das wirklich stimmt, was als Grund behauptet wird. Im Bereich Gartenbau gibt es einfach unglaublich viele Mythen und Legenden, die von Generation zu Generation weitergereicht werden.
Um so spannender war die Erfahrung für mich, weil der Artikel die Leserschaft eher emotional anspricht, um dann auch Fakten unterzubringen. Zunächst fand ich das irritierend. Aber es passt natürlich völlig, weil ich die viele Arbeit nur wegen der Freude am Garten investiere. Vielen Dank an Monika Dittombée (Text) und Marcus Dewanger (Fotos) vom SHZ.
Die Resonanz auf den Artikel war jedenfalls groß und einige Menschen – sogar aus der Nähe Hamburg – wollen ihn gerne selbst sehen. Ein Datum für die nächste Gartenführung kommt deshalb demnächst, wenn die Ernteflut etwas eingedämmt ist.
Das Wort Wicking Bed ließe sich direkt als Dochtbeet übersetzen. Der Docht besteht aus Gewebe oder Pflanzsubstrat, das in eine Wasser führende Schicht unter dem Substrat gelangt und dann wie ein Docht das Wasser zu den Pflanzen im Beet nach oben zieht. Beim Bewässern wird nur das Wasserreservoir aufgefüllt.
Damit das Reservoir nicht überfüllt werden kann, gibt es einen Überlauf, der das Wasser abführt, bevor das Substrat versumpfen kann.
Die Idee stammt aus Australien. Wie ein Wicking Bed auf Deutsch heißt, konnte ich bisher nicht herausfinden. Falls Du den korrekten Namen auf Deutsch kennst, sag mir bitte Bescheid!
Idealerweise sollte ein Wicking Bed tiefer sein, als das hier vorgestellte. Aus den Zeiten meiner Aquaponik hatte ich aber noch meine alten Pflanzbeete, die ich zu zwei Wicking Beds umbauen wollte. Damit war die Tiefe vorgegeben.
Der Überlauf aus einem 90°-Bogen Elektroinstallationsrohr ist auch ein Stück recycelte Aquaponik. Die Bohrungen im Rohr haben hier keine technische Funktion mehr.
Damit der Überlauf nicht mit Material aus dem Wasserreservoir zusetzt, bekam er einen Überzug aus Teichvlies.
Befüllt wird das Reservoir über ein Füllrohr in der Ecke. Auch dieses ist mit einem Vliesdeckel abgedeckt, um das Material aus dem Reservoir fernzuhalten.
Ebenfalls aus Beständen der alten Aquaponik stammten die Blähtonkugeln, die ich für das Wasserreservoir verwendet habe. Australische Gärtner nehmen z.B. auch Getränkekisten, die sie kopfüber unten in das Wicking Bed stellen und dann mit der Trennschicht aus Vlies abdecken.
In meinem Fall ist die Trennschicht zwischen Wasser und Pflanzsubstrat ein Teichvlies, das vom Bau unseres Gartenteiches übrig was. Das Vlies reicht an den Seiten in das Wasserreservoir hinein und zieht das Wasser nach oben. Du kannst auch Geotextil oder Unkrautvlies verwenden. Ein altes Bettlaken ginge auch. Es wird sich allerdings mit der Zeit auflösen und seine Funktion als Trennschicht verlieren.
Auf das Vlies habe ich gut abgelagerten Kompost vom örtlichen Kompostwerk geschüttet.
Die Schichtstärke des Komposts wäre idealerweise 20-30cm. Durch die vorgegebene Höhe meiner Beete schaffe ich nur 15-20cm. Ich hoffe, dass dadurch das Substrat nicht zu feucht für einige Pflanzen wird. Aber im schlimmsten Fall verwende ich das Beet für Brunnenkresse. 😉
Wir hatten jetzt zwei Tage und Nächte Wind mit in Böen 6-9 Windstärken (stürmisches Wetter). Der Wind war so stark, dass er eine große Holzstruktur für Stangenbohnen umgeworfen hat.
Der Minifolientunnel hat dem Wind im Großen und Ganzen gut widerstanden. Aber bei Beginn des Sturmes zeigte sich, dass der Unterdruck des über den Tunnel strömenden Windes immer wieder die Folie angehoben und die Pflastersteine von der unteren Kante der Folie geworfen hat.
Da ich Angst hatte, dass es in der Nacht zu Schäden kommen könnte, habe ich als schnelle Abhilfe Bretter auf die Folie gelegt und mit zusätzlichen Betonsteinen beschwert. Seitdem ist die Folie nicht mehr raus gerutscht.
Eine Lösung wäre, die Folie einzugraben. Aber da ich mir die Möglichkeit offen halten möchte, die Folie zum Lüften auf der ganzen Seite hochzuziehen, muss noch eine andere Lösung gefunden werden.
Die eigentliche Struktur des Tunnel hat dem Wind gut standgehalten.
Und wie es dann manchmal so ist, sind in der ersten stürmischen Nacht fast alle Sensoren meiner alten, billigen Wetterstation ausgefallen, die ich extra wieder zur Messung des Windes aus der Versenkung geholt hatte. Die 15,3° im Gewächshaus mögen noch sein, aber ein Luftdruck von 944,8 hPa wäre Rekord verdächtig.
Von meinem im Winter 2021/22 von drei aufeinander folgenden Orkanen schwer beschädigtem und deshalb in Folge abgerissenem Folientunnel hatte ich noch eine Ersatzfolie von ungefähr 15x8m übrig.
Überlegungen für einen neuen Tunnel aus Stahlrohr habe ich beim Blick auf die Kosten schnell beerdigt, aber nutzen wollte ich die vorhandene Ressource schon.
Konstruktion
Da von meinen alten Beeten noch Bögen aus Elektroinstallationsrohr (Stangenrohr) übrig waren, entstand die Idee, vier der neuen Beete mit einem 9,3m langen und 2m breiten Minifolientunnel zu überspannen, der überwiegend aus Werkstattresten bestehen sollte. Zumindest war das die idealistische Ausgangsposition…
Um die 25mm Rohre etwas zu stärken, habe ich ein Sandwich aus 25mm und 20mm starken Rohren gebaut.
Die Bögen sind 4m lang. Als Halt habe ich Rundhölzer von einem alten Kinderbett in die Erde gesteckt. Wenn man die Böden noch etwas in die Erde rein drückt, bleiben ca. 3,7m Länge nach und die Höhe der Bögen ist ungefähr 1,4m.
In den Bögen ist nicht viel Stabilität. Diese erhöht sich jedoch massiv, wenn man diagonale Stützen anbringt. Ich habe insgesamt acht Stück verbaut.
Die Verformung der Rohrenden erwies sich bei knapp über null Grad Celsius im ersten Versuch als schwierig. Das Rohr ist leicht angerissen. Deshalb habe ich bei folgenden Diagonalen die Enden mit einer Heißluftpistole erwärmt und dann mit einem Hammer platt gedrückt. Die Diagonalen habe ich nur als 25mm Rohre ohne Verstärkung durch ein 20mm Rohr ausgeführt. Das lag zum Teil daran, dass ich nicht so viel 20mm Rohr hatte und nicht endlos viel Plastik für den Tunnel nachkaufen wollte.
Die Firststange habe ich wieder als Sandwich ausgeführt. Die Übergänge zwischen den Rohren habe ich mit Kabelbindern gegen Rausrutschen gesichert und in der Firststange Bohrungen gegen Verrutschen an den Befestigungen mit den Bögen verwendet. Bei der Montage habe ich Federklemmen als Montagehilfe benutzt.
Die Folie wird von ~10cm langen, aufgeschnittenen Stücken 1″ Spiralschlauch gehalten. Dabei habe ich zunächst die Folien der Länge des Tunnels nach aufgezogen und gespannt. Zwischen den Halteklammern habe ich Abstände gelassen, um dann in diesen Abständen die Halteklammern der Giebelfolien einsetzen zu können. Auf dem dritten Bild sind die helleren Klammern der Giebelfolien zu sehen. Sie sind heller, weil der Schlauch von einem anderen Hersteller ist.
Die Windsicherung besteht aus den Pflastersteinen auf der Folie und Seilen, die ich diagonal über den Tunnel und entlang der Seiten gespannt habe. Da für die nächsten Tage stürmische Böen angekündigt sind, werde ich schon bald über die Stabilität berichten können.
Materialliste und Kosten – Lohnt sich das?
~110,- € 12x4m UV5 Gewächshausfolie
~86,- € 37x Installationsrohr 25mm
~32,- € 21xInstallationsrohr 20mm
~ 1,50 € Kabelbinder 5mm breit
~ 7,30 € 4m druckfester Spiralschlauch 1″
~8,- € ~30m x 6mm PP-Seil
~9,- € ~20x Erdnagel 30cm
~ 10,- € 16x Rundholz 30-40cm
Summe = 263,80 € – wenn alles neu gekauft wird. Ich habe gute 50,- € ausgegeben.
Lohnt sich das?
Es handelt sich bei diesem Projekt um eine arge Plastikorgie.
Billige Foliengewächshäuser mit Stahlrohren in 2m Breite und 2m Höhe (im Gegensatz zu hier 1,4m Höhe) gibt es in 3m Länge im Internet schon für unter 150,-€. Das Wären auf 9m 450- € zuzüglich der UV5 Folie, da die Billiggewächshäuser mit schlechten Folien geliefert werden. Mit zusätzlichen Bodenankern wäre man dann bei ca. 700,- € und damit bei deutlich mehr als dem Doppelten. Die 25mm Stahlrohre der Billiggewächshäuser würde ich allerdings auch nicht unseren nordischen Stürmen aussetzen wollen. Ich weiß nicht, ob sie wirklich widerstandsfähiger wären als meine Installationsrohre. Ein wirklich widerstandsfähiger Tunnel liegt preislich dann in anderen Sphären.
Da ich nur ungefähr 50,- € für das Projekt ausgegeben habe und vieles im Bestand hatte, würde ich es wahrscheinlich wieder machen. Ein schaler Geschmack bleibt bei den Plastikmengen aber zurück.
Nachdem wir mit unserer Ankunft in Großbritannien schon RHS Wisley den ersten Regen nach Wochen beschert hatten, schafften wir das ein paar Tage später noch viel intensiver in den Royal Botanical Gardens Kew.
Wochenlange Dürre hatte überall im Garten ihre Spuren hinterlassen. Saftiges Grün gab es nur, wo künstlich bewässert wurde. Die Rasenflächen waren überwiegend braun und nur dort noch grün, wo sie an bewässerte Beete grenzten. Viel Bäume zeigten schon herbstliche Farben – Mitte August.
Kew ist mit 120 ha rund dreimal so groß wie der größte botanische Garden in Deutschland (Berlin). Formal 1840 als botanischer Garten gegründet, geht die Geschichte aber deutlich über 300 Jahre zurück. Der königliche Palast Kew mit seinem Gemüsegarten und Ziergärten ist Teil des botanischen Gartens.
Vom Eingang nahe der Pagode kommend, begannen wir unseren Rundgang am Temperate House. Unter anderem die zahlreichen Gewächshäuser unterschiedlicher Bauart machen Kew auch für Menschen interessant, die sich eher für Architektur als für Pflanzen interessieren.
Zum mediterranen Garten kamen wir noch trockenen Fusses. Auf dem Weg waren ein paar interessante Pflanzen zu entdecken (wie natürlich überall in Kew…). Leider war der Tree Top Walk, der uns 2018 besonders gefallen hatte, wegen Umbauarbeiten gesperrt.
The Hive ist eine begehbare Installation, die mit Licht und Ton die sensorischen Daten aus einem Bienenvolk visualisiert und hörbar macht.
Den 2021 neu angelegten Gemüsegarten hätte ich gerne genauer angesehen, aber der Wolkenbruch, der zu der Zeit runterkam, war so heftig, dass wir uns zunächst in das Davies Alpine House flüchteten. Das braune auf dem Bild sind überflutete Wege im Gemüsegarten.
Das Wasser im Wasserfall des Steingartens wird sowieso gepumpt, aber ich stellte mir vor, dass es heute besonders kräftig floss.
Schon ziemlich durchnässt gingen wir ins Princess of Wales Conservatory, wo wir nicht die einzigen waren, die vor den Fluten flüchteten. Die Orchideen, die tropischen Pflanzen, die Teiche und auch die Kakteensammlung waren schön wie immer, doch eine Besonderheit entdeckten wir zwischen den fleischfressenden Pflanzen.
Die Maus sprang behende zwischen den Pflanzen umher und trank von den süßen Säften, die eigentlich Beute in die Becher der Pflanzen locken sollen.