Der Feinschmeckergarten in der Zeitung

Arne Möller gräbt nicht mehr um

Ende Juli wurde ich von einer Journalistin der örtlichen Zeitung im Garten zu NoDig interviewed und ein Fotograf machte Bilder von mir und dem Garten. Es war ein sehr nettes Gespräch und ich ging davon aus, dass der Artikel in der Lokalausgabe des Zeitungsverlages erscheinen würde. Um so größer war dann die Überraschung, als er landesweit in Schleswig-Holstein erschien und mich schon morgens eine Freundin aus dem Hamburger Umland kontaktierte.

Mein Garten ist für mich zwar eine sehr emotionale Angelegenheit und ein Rückzugsraum von Stress und Alltagssorgen – aber meine Herangehensweise ans Gärtnern betrachte ich eher rational . Bei allem, was ich tue, versuche ich die wissenschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen. Mit Aussagen wie „das macht man so“ kann ich nichts anfangen. Ich will wissen, warum man das so macht und ob das wirklich stimmt, was als Grund behauptet wird. Im Bereich Gartenbau gibt es einfach unglaublich viele Mythen und Legenden, die von Generation zu Generation weitergereicht werden.

Um so spannender war die Erfahrung für mich, weil der Artikel die Leserschaft eher emotional anspricht, um dann auch Fakten unterzubringen. Zunächst fand ich das irritierend. Aber es passt natürlich völlig, weil ich die viele Arbeit nur wegen der Freude am Garten investiere. Vielen Dank an Monika Dittombée (Text) und Marcus Dewanger (Fotos) vom SHZ.

Die Resonanz auf den Artikel war jedenfalls groß und einige Menschen – sogar aus der Nähe Hamburg – wollen ihn gerne selbst sehen. Ein Datum für die nächste Gartenführung kommt deshalb demnächst, wenn die Ernteflut etwas eingedämmt ist.

Auszug aus einem Zeitungsartikel.

Wicking Bed – ein selbstwässerndes Beet

Wicking Bed - Dochtbeet

Das Wort Wicking Bed ließe sich direkt als Dochtbeet übersetzen. Der Docht besteht aus Gewebe oder Pflanzsubstrat, das in eine Wasser führende Schicht unter dem Substrat gelangt und dann wie ein Docht das Wasser zu den Pflanzen im Beet nach oben zieht. Beim Bewässern wird nur das Wasserreservoir aufgefüllt.

Damit das Reservoir nicht überfüllt werden kann, gibt es einen Überlauf, der das Wasser abführt, bevor das Substrat versumpfen kann.

Die Idee stammt aus Australien. Wie ein Wicking Bed auf Deutsch heißt, konnte ich bisher nicht herausfinden. Falls Du den korrekten Namen auf Deutsch kennst, sag mir bitte Bescheid!

Idealerweise sollte ein Wicking Bed tiefer sein, als das hier vorgestellte. Aus den Zeiten meiner Aquaponik hatte ich aber noch meine alten Pflanzbeete, die ich zu zwei Wicking Beds umbauen wollte. Damit war die Tiefe vorgegeben.

90°-Bogen Elektroinstallationsrohr als Überlauf

Der Überlauf aus einem 90°-Bogen Elektroinstallationsrohr ist auch ein Stück recycelte Aquaponik. Die Bohrungen im Rohr haben hier keine technische Funktion mehr.

Wasser läuft aus dem Überlauf des Wicking Beds

Damit der Überlauf nicht mit Material aus dem Wasserreservoir zusetzt, bekam er einen Überzug aus Teichvlies.

der Überlauf des Wicking Beds mit etwas Teichvlies vor dem Rohr

Befüllt wird das Reservoir über ein Füllrohr in der Ecke. Auch dieses ist mit einem Vliesdeckel abgedeckt, um das Material aus dem Reservoir fernzuhalten.

Ebenfalls aus Beständen der alten Aquaponik stammten die Blähtonkugeln, die ich für das Wasserreservoir verwendet habe. Australische Gärtner nehmen z.B. auch Getränkekisten, die sie kopfüber unten in das Wicking Bed stellen und dann mit der Trennschicht aus Vlies abdecken.

In meinem Fall ist die Trennschicht zwischen Wasser und Pflanzsubstrat ein Teichvlies, das vom Bau unseres Gartenteiches übrig was. Das Vlies reicht an den Seiten in das Wasserreservoir hinein und zieht das Wasser nach oben. Du kannst auch Geotextil oder Unkrautvlies verwenden. Ein altes Bettlaken ginge auch. Es wird sich allerdings mit der Zeit auflösen und seine Funktion als Trennschicht verlieren.

Vlies als Trennschicht zwischen Pflanzsubstrat und Wasserreservoir

Auf das Vlies habe ich gut abgelagerten Kompost vom örtlichen Kompostwerk geschüttet.

Die Schichtstärke des Komposts wäre idealerweise 20-30cm. Durch die vorgegebene Höhe meiner Beete schaffe ich nur 15-20cm. Ich hoffe, dass dadurch das Substrat nicht zu feucht für einige Pflanzen wird. Aber im schlimmsten Fall verwende ich das Beet für Brunnenkresse. 😉

Wicking Bed - Dochtbeet

Ein englische Beschreibung vom Bau eines Dochtbeetes findest Du beim australischen Fernsehen ABC.

Update Minitunnel: Nach dem ersten Sturm

Minifolientunnel nach dem Sturm

Wir hatten jetzt zwei Tage und Nächte Wind mit in Böen 6-9 Windstärken (stürmisches Wetter). Der Wind war so stark, dass er eine große Holzstruktur für Stangenbohnen umgeworfen hat.

Der Minifolientunnel hat dem Wind im Großen und Ganzen gut widerstanden. Aber bei Beginn des Sturmes zeigte sich, dass der Unterdruck des über den Tunnel strömenden Windes immer wieder die Folie angehoben und die Pflastersteine von der unteren Kante der Folie geworfen hat.

Da ich Angst hatte, dass es in der Nacht zu Schäden kommen könnte, habe ich als schnelle Abhilfe Bretter auf die Folie gelegt und mit zusätzlichen Betonsteinen beschwert. Seitdem ist die Folie nicht mehr raus gerutscht.

Eine Lösung wäre, die Folie einzugraben. Aber da ich mir die Möglichkeit offen halten möchte, die Folie zum Lüften auf der ganzen Seite hochzuziehen, muss noch eine andere Lösung gefunden werden.

Die eigentliche Struktur des Tunnel hat dem Wind gut standgehalten.

Und wie es dann manchmal so ist, sind in der ersten stürmischen Nacht fast alle Sensoren meiner alten, billigen Wetterstation ausgefallen, die ich extra wieder zur Messung des Windes aus der Versenkung geholt hatte. Die 15,3° im Gewächshaus mögen noch sein, aber ein Luftdruck von 944,8 hPa wäre Rekord verdächtig.

Minifolientunnel mit kleinem Budget(?)

Minifolientunnel im Morgenfrost

Von meinem im Winter 2021/22 von drei aufeinander folgenden Orkanen schwer beschädigtem und deshalb in Folge abgerissenem Folientunnel hatte ich noch eine Ersatzfolie von ungefähr 15x8m übrig.

Überlegungen für einen neuen Tunnel aus Stahlrohr habe ich beim Blick auf die Kosten schnell beerdigt, aber nutzen wollte ich die vorhandene Ressource schon.

Konstruktion

Da von meinen alten Beeten noch Bögen aus Elektroinstallationsrohr (Stangenrohr) übrig waren, entstand die Idee, vier der neuen Beete mit einem 9,3m langen und 2m breiten Minifolientunnel zu überspannen, der überwiegend aus Werkstattresten bestehen sollte. Zumindest war das die idealistische Ausgangsposition…

Kunststoffbögen für einen Minifolientunnel

Um die 25mm Rohre etwas zu stärken, habe ich ein Sandwich aus 25mm und 20mm starken Rohren gebaut.

Sandwich aus 22mm und 25mm Stangenrohr

Die Bögen sind 4m lang. Als Halt habe ich Rundhölzer von einem alten Kinderbett in die Erde gesteckt. Wenn man die Böden noch etwas in die Erde rein drückt, bleiben ca. 3,7m Länge nach und die Höhe der Bögen ist ungefähr 1,4m.

Rundholz zur Fixierung der Bögen

In den Bögen ist nicht viel Stabilität. Diese erhöht sich jedoch massiv, wenn man diagonale Stützen anbringt. Ich habe insgesamt acht Stück verbaut.

Die Verformung der Rohrenden erwies sich bei knapp über null Grad Celsius im ersten Versuch als schwierig. Das Rohr ist leicht angerissen. Deshalb habe ich bei folgenden Diagonalen die Enden mit einer Heißluftpistole erwärmt und dann mit einem Hammer platt gedrückt. Die Diagonalen habe ich nur als 25mm Rohre ohne Verstärkung durch ein 20mm Rohr ausgeführt. Das lag zum Teil daran, dass ich nicht so viel 20mm Rohr hatte und nicht endlos viel Plastik für den Tunnel nachkaufen wollte.

Die Firststange habe ich wieder als Sandwich ausgeführt. Die Übergänge zwischen den Rohren habe ich mit Kabelbindern gegen Rausrutschen gesichert und in der Firststange Bohrungen gegen Verrutschen an den Befestigungen mit den Bögen verwendet. Bei der Montage habe ich Federklemmen als Montagehilfe benutzt.

Die Folie wird von ~10cm langen, aufgeschnittenen Stücken 1″ Spiralschlauch gehalten. Dabei habe ich zunächst die Folien der Länge des Tunnels nach aufgezogen und gespannt. Zwischen den Halteklammern habe ich Abstände gelassen, um dann in diesen Abständen die Halteklammern der Giebelfolien einsetzen zu können. Auf dem dritten Bild sind die helleren Klammern der Giebelfolien zu sehen. Sie sind heller, weil der Schlauch von einem anderen Hersteller ist.

Die Windsicherung besteht aus den Pflastersteinen auf der Folie und Seilen, die ich diagonal über den Tunnel und entlang der Seiten gespannt habe. Da für die nächsten Tage stürmische Böen angekündigt sind, werde ich schon bald über die Stabilität berichten können.

Materialliste und Kosten – Lohnt sich das?

  • ~110,- € 12x4m UV5 Gewächshausfolie
  • ~86,- € 37x Installationsrohr 25mm
  • ~32,- € 21xInstallationsrohr 20mm
  • ~ 1,50 € Kabelbinder 5mm breit
  • ~ 7,30 € 4m druckfester Spiralschlauch 1″
  • ~8,- € ~30m x 6mm PP-Seil
  • ~9,- € ~20x Erdnagel 30cm
  • ~ 10,- € 16x Rundholz 30-40cm

Summe = 263,80 € – wenn alles neu gekauft wird. Ich habe gute 50,- € ausgegeben.

Lohnt sich das?

Es handelt sich bei diesem Projekt um eine arge Plastikorgie.

Billige Foliengewächshäuser mit Stahlrohren in 2m Breite und 2m Höhe (im Gegensatz zu hier 1,4m Höhe) gibt es in 3m Länge im Internet schon für unter 150,-€. Das Wären auf 9m 450- € zuzüglich der UV5 Folie, da die Billiggewächshäuser mit schlechten Folien geliefert werden. Mit zusätzlichen Bodenankern wäre man dann bei ca. 700,- € und damit bei deutlich mehr als dem Doppelten. Die 25mm Stahlrohre der Billiggewächshäuser würde ich allerdings auch nicht unseren nordischen Stürmen aussetzen wollen. Ich weiß nicht, ob sie wirklich widerstandsfähiger wären als meine Installationsrohre. Ein wirklich widerstandsfähiger Tunnel liegt preislich dann in anderen Sphären.

Da ich nur ungefähr 50,- € für das Projekt ausgegeben habe und vieles im Bestand hatte, würde ich es wahrscheinlich wieder machen. Ein schaler Geschmack bleibt bei den Plastikmengen aber zurück.

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Kew Gardens – Erster Regen nach der Dürre

Autumnal Trees Kew Gardens

Nachdem wir mit unserer Ankunft in Großbritannien schon RHS Wisley den ersten Regen nach Wochen beschert hatten, schafften wir das ein paar Tage später noch viel intensiver in den Royal Botanical Gardens Kew.

Wochenlange Dürre hatte überall im Garten ihre Spuren hinterlassen. Saftiges Grün gab es nur, wo künstlich bewässert wurde. Die Rasenflächen waren überwiegend braun und nur dort noch grün, wo sie an bewässerte Beete grenzten. Viel Bäume zeigten schon herbstliche Farben – Mitte August.

Kew ist mit 120 ha rund dreimal so groß wie der größte botanische Garden in Deutschland (Berlin). Formal 1840 als botanischer Garten gegründet, geht die Geschichte aber deutlich über 300 Jahre zurück. Der königliche Palast Kew mit seinem Gemüsegarten und Ziergärten ist Teil des botanischen Gartens.

Vom Eingang nahe der Pagode kommend, begannen wir unseren Rundgang am Temperate House. Unter anderem die zahlreichen Gewächshäuser unterschiedlicher Bauart machen Kew auch für Menschen interessant, die sich eher für Architektur als für Pflanzen interessieren.

Zum mediterranen Garten kamen wir noch trockenen Fusses. Auf dem Weg waren ein paar interessante Pflanzen zu entdecken (wie natürlich überall in Kew…). Leider war der Tree Top Walk, der uns 2018 besonders gefallen hatte, wegen Umbauarbeiten gesperrt.

The Hive ist eine begehbare Installation, die mit Licht und Ton die sensorischen Daten aus einem Bienenvolk visualisiert und hörbar macht.

The Hive

Den 2021 neu angelegten Gemüsegarten hätte ich gerne genauer angesehen, aber der Wolkenbruch, der zu der Zeit runterkam, war so heftig, dass wir uns zunächst in das Davies Alpine House flüchteten. Das braune auf dem Bild sind überflutete Wege im Gemüsegarten.

Veg Garden Kew

Das Wasser im Wasserfall des Steingartens wird sowieso gepumpt, aber ich stellte mir vor, dass es heute besonders kräftig floss.

Schon ziemlich durchnässt gingen wir ins Princess of Wales Conservatory, wo wir nicht die einzigen waren, die vor den Fluten flüchteten. Die Orchideen, die tropischen Pflanzen, die Teiche und auch die Kakteensammlung waren schön wie immer, doch eine Besonderheit entdeckten wir zwischen den fleischfressenden Pflanzen.

Die Maus sprang behende zwischen den Pflanzen umher und trank von den süßen Säften, die eigentlich Beute in die Becher der Pflanzen locken sollen.

RHS Wisley im Regen – nach einer Dürre

Wir kamen Mitte August 2022 direkt von der Fähre kommend in Wisley an. Die Landschaft war braun und verbrannt nach wochenlanger Dürre und wir brachten den ersten Regen vom Kontinent mit herüber!
Zumindest möchte ich mir einreden, dass wir diesen positiven Einfluss hatten. 🙂
Denn so schön Wisley ist, in etwas Sonnenschein ist RHS Wisley bestimmt noch etwas schöner. Außerdem hätte ich ohne Regen nicht die ersten Bilder vermasselt, auf denen Regentropfen auf dem Objektiv zu sehen sind.

Wenn ich meine Highlights in Wisley nennen sollte, fällt auf, dass ich diese gar nicht unbedingt fotografiert habe. Einerseits war das Wetter wohl nicht so und andererseits haben sie mich vielleicht auch zu sehr gefesselt. 🙂
Zu den besten Teilen gehören aber auf jeden Fall der NoDig Food Garden, die Obstbaumsammlungen, die Testbeete mit unterschiedlichen Kulturen (z.B. Dahlien, Oregano), der Alpingarten und der tropische Garten.

Überwältigend ist natürlich auch die schiere Größe. Der größte botanische Garten in Deutschland ist mit 43 ha der Botanische Garten Berlin. RHS Wisley ist 96 ha groß. Damit ist Wisley der zweitgrößte der fünf Schau- und Forschungsgärten der Royal Horticultural Society (RHS) nach Hyde Hall mit 150 ha. Fairerweise sollte man allerdings sagen, dass in Hyde Hall weite Flächen nicht gärtnerisch erschlossen sind.

Tageskurs bei C. Dowding – Homeacres

Homeacres

Im letzten August haben wir Urlaub in Devon, England, gemacht. Bevor wir nach Devon fuhren, trafen wir uns mit Freunden in Bath. Da Homeacres, der Garten von Charles Dowding, praktisch auf dem Weg lag, schaute ich in den Kurskalender. Just an dem Tag, als wir dort vorbeikamen, gab es einen Tageskurs.

Ich habe schon viele Stunden YouTube-Videos von Charles gesehen, diverse seiner Bücher gelesen und folge seinem Blog und Twitter-Stream. Deshalb war ich mir nicht sicher, ob die Investition von fast 200 Pfund für den Tageskurs gerechtfertigt wäre. Aber meine Frau hat mich quasi gezwungen, den Kurs zu buchen. Zum Glück habe ich so eine vernünftige Frau. 😉

Vieles von dem, was Charles erzählte, kannte ich aus Videos, Büchern und mittlerweile – nach fast 10 Jahren NoDig – aus eigener Anwendung. Was aber wirklich überwältigend war, ist die Gesundheit der Pflanzen und die Schönheit Homeacres mit eigenen Augen zu sehen. Außerdem ist Charles tatsächlich so nett und bescheiden, wie er in seinen Videos wirkt.

Neben ein paar Tipps und Tricks habe ich aber vor allem eines aus Homeacres mitgenommen:
Ein erfahrener Gärtner wie Charles erwirtschaftet auf ~1.300 m2 mit einem zusätzlichen Gärtner in Vollzeit und zwei Teilzeitkräften für die Ernte einen Umsatz von 25.000 Pfund zuzüglich von Produkten für die Selbstversorgung und das Catering der Kurse (sehr lecker!). Das wichtigste Produkt sind dabei Salatmischungen.
Ohne die Kurse und den Verkauf von Merchandise sowie Büchern wäre Homeacres keine profitable Unternehmung.

Modelle für Market Gardens / Marktgärten wie von Eliot Coleman, Jean-Martin Fortier oder Curtis Stone (mittlerweile als Prepper in merkwürdige Verschwörungstheorien abgeglitten) aus dem amerikanischen bzw. kanadischen Kontext auf Europa zu übertragen, ist nicht leicht.

In der Neuen Welt ist der Anteil der Lebensmittel an den Lebenshaltungskosten deutlich höher. Um in Europa (relativ gesehen) ähnlich hohe Erlöse zu erzielen, braucht es eine Umgebung mit sehr hoher Kaufkraft d.h. in der Regel ein wirtschaftlich starkes, urbanes Umfeld in der Nähe.

Bestimmte Pflanzen sind nur dann wirtschaftlich, wenn sie z.B. in Form einer SoLaWi (solidarischen Landwirtschaft) von den Mitgliedern mitgetragen werden. Charles hat dazu ein interessantes Video gemacht, in dem es u.a. um die (Un-)Wirtschaftlichkeit von Karotten im Marktgarten geht.

Kurzum: Wenn Du dich mit dem Gedanken trägst, einen Marktgarten zu betreiben und Du zufällig bei Charles Dowding in der Nähe bist, lohnt sich ein Tageskurs auf jeden Fall.
Falls Du allerdings einfach umweltfreundliches Gärtnern in einer schönen Umgebung lernen willst, dann musst Du den Kurs machen. 😉

Neuanlage unseres NoDig-Nutzgartens – unter Schmerzen

Neu angelegte Beete im Nutzgarten

Manchmal möchte man sich um Entscheidungen herumdrücken, weil sie einfach erst einmal wehtun. So ging es mir mit der Neugestaltung der Beete in unserem Nutzgarten.

Für den Bau des neuen Tunnelgewächshauses musste ich schon ein 5 m langes und fast 1,5m breites Hochbeet abreißen, das im Weg stand. Wenn man als Gärtner NoDig – Gärtnern ohne Umgraben – betreibt, blutet einem die Seele, über Jahre gewachsene Bodenstrukturen zu zerstören.

Entsprechend habe ich gehadert, was ich mit den Beeten anfangen sollte, deren rottenden Holzeinfassungen trotz regelmäßiger Flickarbeiten nach Jahren nicht mehr zu retten waren.

Beete im Nutzgarten Anfang Januar 2023

Anfang Januar standen noch ein paar Wintersalate, Wurzeln (norddeutsch für Möhren), Cavolo nero und Schnittmangold auf den Beeten. Da der Kompost, den ich für die Neuanlage von NoDig-Beeten vom Kompostwerk hole, nie voll ausgereift ist, musste ich jetzt loslegen. Ansonsten hätten die Beete zu lange in die Pflanzsaison gebraucht, um den Kompost nachzureifen.

Planung

Am Bildschirm habe ich diverse Kombinationen von Beeten hin und her geschoben. Sollte ich das letzte intakte Hochbeet retten (Variante 1) oder drei 8×0,8 m Beete wie im Marktgarten anlegen (Variante 2)?
Alternativ hätten auch sechs 3×0,8 m Beete und das alte Hochbeet gepasst (Variante 3).*
Entschieden habe ich mich für Variante 4 mit 6 4×0,8 m großen Beete.

4 m ist genau die halbe Länge der Standardbeete des Marktgartens. Alle Zahlen zu Bedarf an Saat oder Pflanzen für bestimmte Kulturen kann ich einfach durch zwei teilen. Trotzdem habe ich noch mindestens sechs verschiedene Kulturen, statt auf drei 8 m langen Beeten anzufangen zu mischen.

Umsetzung

Ein paar der Pflanzen sind in das Tunnelgewächshaus umgezogen, die Wurzeln und den Cavolo nero habe ich abgeerntet und den Rest bei den Hühnern und auf dem Kompost gelassen.

Nachdem der Holzschredder zwischen den Beeten in einer Bucht der Kompostecke eingelagert war, fing das Verteilen der Erde an. Durch das schiere Volumen ist das Niveau des Nutzgartens rund 10 cm hoch gekommen.

Abtragen der alten Beete

Die neuen Beete habe ich mit Holzpflöcken markiert. Dann habe ich die restliche Erde mit der Harke verteilt.

mit Holzpflöcken abgesteckte neue Beete

Die abgesteckten Beete haben dann ca. 10cm hoch Grünschnittkompost vom örtlichen Kompostwerk erhalten. Den Kompost gibt die Stadt kostenlos ab. Wer sich den Hänger mit einem Frontlader beladen lassen möchte, zahlt 8,- € – unabhängig von der Menge.

Hätte ich die Beete auf Rasen oder stark verunkrauteten Flächen angelegt, hätte ich Pappe unter den Kompost gelegt. Das war hier nicht nötig.

Neuanlage von NoDig-Beeten mit Grünschnittkompost

Holzschredder kann ich ebenfalls vom Kompostwerk beziehen. Dieser kostet inklusive Beladung des eigenen Hängers 17,85 €. Damit haben mich die ungefähr 1,5 m3 Schredder für den Nutzgarten ca. 6,- € gekostet.

neu angelegte Beete mit Holzschredder auf den Wegen

Warum Holzhackschnitzel auf Wegen?

Der Holzschredder auf den Wegen soll nicht nur den Wuchs von Beikräutern reduzieren. Die Idee dahinter ist, dass der Holzschredder Nahrung für Pilze bildet, die mit Ihrem Myzel auch die Nutzpflanzen mit Wasser und diesen Nährstoffen versorgen können. Im Tausch erhalten die Pilze von den Pflanzen, die im Gegensatz zu den Pilzen Photosynthese betreiben können, dann Zucker.

Nachteilig am Schredder ist, das er ein Ort zur Eiablage für Nacktschnecken sein kann. Charles Dowding empfiehlt deshalb die Mulchschicht auf Wegen nicht höher als als 3-5 cm zu machen.

So sinnvoll die Holzhackschnitzel auf Wegen sind, so problematisch sind sie, wenn sie in den Boden der Beete eingearbeitet werden. Die Bodenorganismen verbrauchen für den Abbau des Holzes Stickstoff, den auch die Pflanzen als Nährstoff benötigen.

Die abgetragenen und schon stark zersetzten Holzhackschnitzel der alten Wege werde ich übrigens zu Anzuchterde verarbeiten. Die sind nämlich in Anzuchterde sehr gut als Ersatz für Torf geeignet, dessen Abbau extrem Klima schädigend ist .

*Ja, ich bin bekennender Computernerd. 😉

Tahdig (Reis) mit glasierten Zuckerschoten

Tahdig mit Zuckerschoten
5Sterne

Winterrezepte sind lecker – aber wir konnten mal eine Pause davon gebrauchen und deshalb habe ich die Gefrierung und Fensterbänke im Wohnzimmer geplündert.

Ingwer, Kurkuma, Chilis, Calamondinorangen und dergleichen sind nichts, was in Norddeutschland den Winter draußen übersteht, aber auf der Fensterbank im Wohnzimmer (und der Küche – und dem Esszimmer – und dem Büro – und dem Hauswirtschaftsraum – …) sieht das anders aus.

Calamondinorange habe ich heute zum ersten mal zum Kochen verwendet. Die Pflanze habe ich vor ein paar Jahren für 2-3 Euro als Steckling bei einem Supermarkt gekauft. Aus ihr ist ein stattlicher Busch geworden, der fast ganzjährig Früchte trägt. Diese werden auf den Philippinen als Alternative zu Zitronen zum Kochen verwendet.

Calamondinorange

Zutaten

Tahdig

  • Langkornreis
  • Ingwer (Knolle)
  • Kurkuma (Knolle)
  • 1 rote Chili
  • grüne Koriandersaat (geht auch tiefgefroren)
  • Dill (geht auch tiefgefroren)
  • Mandeln (gestiftet oder gehobelt)
  • Rosinen
  • (Meer-) Salz
  • Olivenöl

Zuckerschoten

  • Zuckerschoten (frisch oder gefroren)
  • 2 rote Zwiebeln
  • Butter
  • Honig
  • (Meer-) Salz
  • frisch gemahlener, schwarzer Pfeffer

Sauce

  • Joghurt (griechischer Sahnejoghurt)
  • 1 Calamondinorange (oder Zitrone/Limette)
  • (Meer-) Salz

Zubereitung

Arbeitszeit: ca. 20 Min. / Koch-/Backzeit: ca. 60 Min. / Schwierigkeitsgrad: mittel

Tahdig

Für die Zubereitung von Tahdig habe ich schon einmal ein Rezept geschrieben, in dem Du die genaue Prozedur nachlesen kannst. Weil ich es lange nicht gekocht habe, ist dieses mal die Kruste nach dem Stürzen zerbrochen. Da hätte es noch ein paar Minuten mehr gebraucht.

Für diesen Tahdig habe ich Kurkuma, Ingwer und Chili in sehr feine Scheiben geschnitten.

Ingwer, Chili, Kurkuma

Die grünen Saatkörner von Koriander lassen sich sehr gut einfrieren. Geschmacklich sind sie etwas sehr Eigenständiges und extrem lecker.

zerbrochener Tahdig nach dem Stürzen
So richtig hat es mit dem Tahdig (=Reiskruste) nach dem Stürzen diesmal nicht geklappt. Da war ich wohl zu ungeduldig.

Glasierte Zuckerschoten und rote Zwiebeln

Butter in einer Pfanne

Wenn das großzügige Stück Butter in der Pfanne geschmolzen ist, kommen die fein geschnittenen Zwiebeln rein. Ich habe mit etwas frisch gemahlenem Pfeffer gewürzt.

Die Zuckerschoten brauchen nur wenige Minuten. Bei höherer Hitze kommt der Honig über Zwiebeln und Zuckerschoten. Der Honig wird nur kurz karamellisiert. Hier ist Timing alles, damit die Zuckerschoten noch ihre schöne, frische grüne Farbe haben und der Tahdig schon fertig ist. Meine Zuckerschoten waren fast schon zu weit.

Sauce

In der persischen Küche ist „sauer“ eine wichtige Geschmacksrichtung. Für mitteleuropäische Gaumen ist das manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. Hier kommen Saft und Fruchtmark der Calamondinorange (bzw. einer Zitrone oder Limette) nur mit etwas Salz in den Joghurt.

Joghurt und Calamondinorange

Das Ergebnis: Tahdig mit Glasierten Zuckerschoten und sauerer Sauce

Hier kommen so viele Geschmäcker zusammen, dass die Sinne auf Hochtouren arbeiten können!

Viel Spaß damit und guten Appetit!

1. Saison im neuen Tunnelgewächshaus – Selbstbewässerungssysteme, Anzucht

Panoramabild des Tunnelgewächshauses

Das neue Tunnelgewächshaus macht sich bereit für die erste Anzuchtsaison. Durch den im vorletzten Winter stark beschädigten Folientunnel musste meine Anzucht 2022 im ebenfalls beschädigten Kleingewächshaus Platz finden (s. Foto unten).

Anzucht 2022
Anzucht 2022

Neben Pflücksalat (in dem selbstbewässernden Topf aus einer alten Wasserflasche) ist im neuen Gewächshaus im Moment nur Claytonia (Winterportulak) in einer 144er Modulplatte (Multitopfplatte) in der Anzucht. Ab nächster Woche kommen dann z.B. einige Platten mit Zwiebeln.

Selbstbewässerungssysteme

Systeme mit Wannen und Vlies

Für die Selbstbewässerung verwende ich neben den Flaschen:
– einfache Wannen mit Vlies
– Wannen mit Ziegelsteinen auf denen Bretter und recycelte Kunststoffplatten ein Vlies tragen, das ins Wasser hängt. Eine Bauanleitung / -beschreibung gibt es hier.

Die 2. Variante ist aufwändiger, bietet Verstecke für Schnecken, aber hält auch mehr Wasser.

Selbstbewässerungssysteme für die Pflanzenanzucht

Wicking Bed

Eine noch größere Variante entsteht z.Z. aus meiner alten Aquaponik. Der ehemalige Fischtank sammelt Regenwasser von der Außenwand des Gewächshauses auf. Der Überlauf geht in zwei große Maurerkübel mit Mandarinminze und marokkanischer Minze.

Minze in Pflanzcontainern

Um das Wasser optimal als Wärmesenke nutzen zu können, habe ich die beiden Seiten des Tanks zu den Außenwänden mit weißer und die beiden zum Inneren des Gewächshauses mit schwarzer Folie verkleidet. So sollte nachts die Wärme vor allem in das Gewächshaus abgestrahlt werden.

ehemalige Aquaponikanlage aus einem IBC

Das ehemalige Pflanzbeet der Aquaponik wird zu dem, was die Australier ein Wicking Bed nennen.
In den unteren Teil kommt eine Lage Blähton.
Auf diesen kommt ein dickes Vlies, das an verschiedenen Stellen nach unten in den Blähton reicht.
Darauf kommt Kompost als Pflanzsubstrat.
An der Seite geht ein Rohr von oben bis in den Blähton. Darüber wird das Beet gegossen.
Kurz unterhalb des Vlieses erhält das Beet einen Ablauf. So kann immer maximal bis zu dieser Höhe Wasser aufgefüllt werden. In dem Blähton unter dem Vlies ist dann ein Wasserreservoir, das durch das Vlies nach oben gezogen wird.
Der englische Name Wicking Bed bedeutet übersetzt in etwa Dochtbeet.
Demnächst kommen dazu mehr Fotos vom Bau.

Anbau – aktuell und geplant

Panoramabild des Tunnelgewächshauses

Im nächsten Jahr werden die Beete mit überwinterten Kulturen besetzt sein. Dieses Jahr gibt nur in ein paar Wochen etwas Schnittmangold, Winterheckenzwiebeln, Kerbel, Rucola, Spinat und Asia-Salate, bis dann im März(?) der Bärlauch unter der Werkbank durchkommen wird.